Autor: Lisa Kunz,

Das Yamaha Y-AMT-System


Motorradfahren bedeutet Freiheit. Kurven, Beschleunigung, Motorcharakter und dieses ganz besondere Gefühl, mit der Maschine eine Einheit zu bilden. Doch gerade beim Thema Schalten hat sich über Jahrzehnte generell eher weniger etwas verändert... Kupplung ziehen, Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und das immer wiederholen. 


Yamaha stellt dieses klassische Prinzip mit dem Y-AMT (Yamaha Automated Manual Transmission) auf den Prüfstand. Das automatisierte Schaltgetriebe soll nicht nur das Schalten komfortabler machen. Es verfolgt einen anderen Ansatz, denn du sollst dich noch stärker auf das eigentliche Fahren konzentrieren können. 


Was ist Y-AMT überhaupt? 

Y-AMT steht für Yamaha Automated Manual Transmission. Dahinter steckt ein automatisiertes Schaltgetriebe, das dir zwei Möglichkeiten bietet: 


  1. Du kannst die Gänge selbst schalten (allerdings ohne klassischen Fußschalthebel). 

  1. Alternativ überlässt du die Gangwechsel vollständig der Elektronik. 


Warum sollte man überhaupt automatisiert schalten? 

Für viele Motorradfahrer*innen gehört das Schalten einfach zum Motorradfahren dazu. Und genau deshalb ist Y-AMT eine spannende Entwicklung, denn es geht Yamaha nicht darum, dir das Motorradfahren abzunehmen. Ziel ist es, dass du mehr Aufmerksamkeit für die Dinge haben sollst, die beim Motorradfahren wirklich entscheidend sind. Diese sind Beschleunigen, Bremsen, Kurvenlinie, Körperposition und Grip. 


Gerade auf kurvigen Strecken kann das interessant sein. Du musst deinen linken Fuß nicht mehr zum Schalthebel bewegen und kannst somit deine Körperposition konstanter halten. Das klingt zunächst nach einer kleinen Veränderung aber verändert in der Praxis jedoch den gesamten Ablauf eines Schaltvorgangs. 


Schalten per Finger statt per Fuß 

Das vielleicht auffälligste Merkmal des Y-AMT-Systems ist die Bedienung, denn im manuellen Modus schaltest du die Wippschalter am Lenker mit den Fingern statt mit dem linken Fuß. Ein Fingertipp genügt, um den nächsten Gang einzulegen oder herunterzuschalten. Vorteil hiervon ist es, dass Menschen mehr Gefühl im Finger als im Fuß haben. 


Gerade bei sportlicher Fahrweise kann das Vorteile bieten, denn deine linke Hand bleibt am Lenker und dein linker Fuß bleibt auf der Fußraste, wodurch du dich stärker auf deine Fahrlinie und Sitzposition konzentrieren kannst. Diese Version ist auch eingeschränkt im Automatik-Modus möglich.


Automatik, wenn du sie möchtest 

Du hast aber nicht immer Lust auf manuelles Schalten? Kein Problem. Y-AMT bietet zusätzlich einen vollautomatischen Modus. Das kann beispielsweise im Stadtverkehr, im Stop-and-go oder auf längeren Strecken angenehm sein. Du kannst dich dann voll auf den Verkehr und die Straße konzentrieren, während das Motorrad die passenden Gangwechsel übernimmt. Interessant ist dabei vor allem, dass du nicht dauerhaft auf einen Modus festgelegt bist. Du entscheidest, wie viel Arbeit du selbst übernehmen möchtest. Und genau hier liegt für mich einer der größten Reize des Systems. 

Auf einer kurvigen Landstraße schaltest du selbst per Finger und genießt die volle Kontrolle. Im Stadtverkehr lässt du die Elektronik arbeiten, um dich mehr auf den hektischen Stadtverkehr konzentrieren zu können. Ein Motorrad, mehrere Charaktere. Genial ist, dass das charakteristische Schaltgefühl erhalten bleibt.


Y-AMT und Yamaha Ride Control 

Y-AMT steht bei Yamaha nicht isoliert da, denn das System arbeitet mit den elektronischen Funktionen der Yamaha Ride Control (YRC) zusammen. Bei entsprechenden Modellen stehen unterschiedliche Motorcharakteristiken und Einstellungen der Traktionskontrolle zur Verfügung. So kannst du die Charakteristik des Motorrads an deine persönlichen Vorlieben und die jeweilige Fahrsituation anpassen. Das ist wichtig, denn ein automatisiertes Getriebe allein macht noch kein besseres Motorrad. Erst das Zusammenspiel aus Motor, Getriebe, Elektronik und Fahrer*in macht den Unterschied. 


Ist Y-AMT dann noch „richtiges“ Motorradfahren? 

Puristen könnten zunächst sagen: "Ein Motorrad muss eine Kupplung haben und man muss selbst schalten."  Und diese Sichtweise ist absolut nachvollziehbar, aber Motorradtechnik hat sich schon immer weiterentwickelt. Einspritzanlagen haben Vergaser ersetzt, elektronische Fahrmodi sind hinzugekommen und moderne Assistenzsysteme greifen inzwischen in vielen Bereichen ein.  Y-AMT ist deshalb weniger ein Abschied vom klassischen Motorradfahren als eine neue Möglichkeit, des Motorradfahrens. Du kannst weiterhin selbst schalten. Nur eben anders. Und wenn du möchtest, kannst du die Gangwechsel komplett der Technik überlassen. 

 

Für wen lohnt sich Y-AMT? 

Y-AMT dürfte vor allem für Motorradfahrer*innen interessant sein, die Wert auf Flexibilität legen. 


  • Im Alltag kann die Automatik den Stop-and-go-Verkehr angenehmer machen. 

  • Auf der Landstraße kannst du manuell über den Lenker schalten und dich auf die Kurven konzentrieren. 

  • Auf der Autobahn kann das automatisierte Getriebe für zusätzlichen Komfort sorgen. 

  • Und beim sportlichen Fahren bietet der schnelle Schaltvorgang per Wippschalter eine interessante Alternative zum klassischen Fußschalthebel. 


Yamaha setzt das System inzwischen bei verschiedenen Modellen ein. Dazu gehören unter anderem Varianten der MT-07, MT-09 sowie der TRACER-Baureihe. 


Mein Fazit:  

Y-AMT dürfte die Motorradwelt nicht deshalb verändern, weil plötzlich niemand mehr schalten muss. Interessant ist vielmehr die Wahlmöglichkeit. Du kannst selbst bestimmen, wann du wie fahren möchtest. Willst du aktiv schalten? Dann bedienst du den Wippschalter mit dem Finger. Willst du entspannt durch den Stadtverkehr rollen? Dann übernimmt die Automatik. Und wenn sich die Straße vor dir in eine kurvenreiche Lieblingsstrecke verwandelt, kannst du wieder selbst die Kontrolle über die Gangwechsel übernehmen. Genau darin liegt die Stärke des Systems. 

Y-AMT nimmt dir nicht unbedingt das Motorradfahren ab, es nimmt dir eine bestimmte Aufgabe ab (wenn du das möchtest). Und dadurch kannst du dich stärker auf das konzentrieren, was Motorradfahren letztendlich ausmacht: die Straße, die Kurven, den Motor und das Gefühl, mit deiner Yamaha unterwegs zu sein. 


MT-07 (35kW) Y-A-MT

MT-09 (35kW) Y-AMT-Modelle

Tracer 9 GT (+) Y-AMT